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Yamas & Niyamas – Welche tieferen Glaubenssätze dafür verantwortlich sind, dass wir gegen ethische Prinzipien und moralische Gebote verstoßen.

Moral und Ethik, zwei Worte, bei denen uns leicht ein gehobener Zeigefinger, und das strenge Gesicht unserer Großmutter in den Sinn kommen. Worte, die verstaubt klingen, und die uns ein nervöses Gefühl im Magen bescheren.
Wie ist uns die natürliche Hingabe für ethische Gebote abhanden gekommen? Warum scheitern wir daran, sie mit Begeisterung zu leben?

Die bekanntesten ethischen und moralischen Regeln in der Yogatradition finden wir in den Yoga Sutras des Patanjali.

Yama (Ethischer Verhaltenskodex anderen gegenüber) und Niyama (Moralischen Grundsätze für sich selbst), sind die Grundpfeiler der Yogapraxis.

Diese 10 Gebote zu meistern, nicht nur einmal, sondern ein Leben lang, ist laut Yoga die Übung, die jeder weiteren Praxis vorausgehen sollte.

Die Yogapraxis ist eine machtvolle Praxis, die nicht unterscheidet, was da so ermächtigt wird. Sie ermächtigt alles. So wie die Sonne auf alles scheint. Auf die Blumen und das Gras, genauso wie auf den Hundehaufen und die Müllkippe. Sie unterscheidet nicht. Sie scheint auf alles, mit all ihrem Enthusiasmus, all ihrer Wärme und Kraft. Genau wie Yoga auf alles gleichermaßen scheint.

Das bedeutet, wenn wir im Inneren unaufgeräumt sind, Eitelkeit, Ignoranz oder Eifersucht in uns tragen, werden diese Emotionen und Charaktereigenschaften bestärkt. Nicht nur die feinen, wie Freundlichkeit, Nächstenliebe, Freude und Glück. Alles wird potenziert, je nachdem, wie intensive wir praktizieren. Nach der anfänglichen Euphorie, die das praktizieren von Yogahaltungen für gewöhnlich mit sich bringen, kommt dann der Supergau. All unsere unerforschten, unbewussten, unter den Teppich gekehrten Emotionen und Charaktereigenschaften, werden uns rechts und links um die Ohren gehauen. Von innen und von außen. Die Lücke zwischen positiven Eigenschaften und negativen Angewohnheiten wird sich vergrößern und uns verwirren. Uns werden eitle, ignorante, eifersüchtige Menschen begegnen, und eventuell stoßen wir auf großes Missverständnis bei unseren Freunden, mit dem Verhalten, was wir nun so an den Tag legen.

Um also auf die Frage zurückzukommen:
Wie ist uns die natürliche Hingabe für ethische Gebote abhanden gekommen? Warum scheitern wir daran, sie mit Begeisterung zu leben?

Eine kurze Antwort aus der Yogischen Sicht könnte sein:
Weil wir getrennt sind von unserer wahren göttlichen Essenz. Weil wir abgeschottet sind von der Einheit und dem Frieden in uns. Mit dem Sein, dass natürlich mit Ethik und Moral resoniert.


Yama – Ethik und Verhaltenskodex

Ahimsa – Friedfertigkeit in Gedanken, Worten und Taten; das Nicht-Verletzen anderer Lebewesen
Satya – Ehrlichkeit, Wahrheitsliebe und Autenzität
Bramacharya – Mäßigkeit, Enthaltung in Sex, Geschwätz, Nahrungsaufnahme, weltlichen Genüssen; das achtsame Leiten und sinnvolle Verwenden der eigenen Energie, um sich dem Einklang mit der göttlichen Energie zu nähern
Asteya – Nicht-Stehlen; Nicht-Nehmen, was nicht mir gehört oder was ich nicht benötige
Aparigraha – Unbestechlichkeit, Nicht-Gier, Nicht-Verhaftet sein an materiellen Dingen und allem Vergänglichen

 

Niyama – moralische Gebote im Privatleben

Saucha – Sauberkeit und Reinheit in Gedanken, Worten und Tun; Reinheit und Ordnung im Lebensumfeld
Santoscha – Zufriedenheit in sich, spontane Freude unabhängig von materiellem Besitz und Meinungen von Außen
Tapas – persönliche Disziplin in der spirituellen Praxis, Leidenschaft im Tun; Aushalten von egoistischem Begehren, ohne dem nachzugeben
Swadhyaya – Selbsterforschung, studieren des selbst, studieren der heiligen Schriften
Ishvara Pranidhana – Hingabe an Gott; Loslösen vom Ergebnis des eigenen Tuns; Aufgehen im Tun selber, mit Hingabe und Vertrauen, das Ergebnis Gott überlassend


Wenn wir verstehen, was mit göttlicher Essenz gemeint ist, und wie es sich anfühlt mit sich und der universellen Schöpfung verbunden zu sein, mag diese Antwort befriedigend und aufschlussreich sein. Dann kannst du jetzt üben gehen, und brauchst nicht weiter lesen.

Die meisten von uns jedoch, sind noch mehr oder weniger weit davon entfernt die göttliche Verbindung zu spüren oder sich eins mit der Schöpfung zu fühlen.
Was ist es also, was uns trennt?

Eines der Trennungsgründe, die ich heute mit euch in diesem Blog diskutieren möchte, ist unser Glaubenssystem. Die vermeintlichen Wahrheiten, die wir in unserem Gehirn als Erfahrungen gespeichert haben. Alles was wir gelernt haben, und was unsere Eltern und Großeltern uns genetisch weitergegeben haben. Auch das kollektive Glaubenssystem spielt eine Rolle. Die gesellschaftlich anerkannten „neuen“ Werte.

Z.B. wie viele Kinder man haben sollte, bis wann man sie auf die Welt gebracht haben sollte. Welche Berufe „gute“ Berufe sind, welches und wie viele Autos wir haben sollten. Welche Klamotten wir tragen sollen, und wie viel eine Hochzeit kosten sollte. Welche Versicherungen man haben muss und selbst, welche Krankheiten im Laufe des Alterungsprozesses normal sind. Wie viel ich wiegen muss, wo ich schon gewesen sein muss, wann ein angemessenes Alter zum Sterben ist.

Wenn wir diesen eigenen oder gesellschaftlichen Vorstellungen nicht entsprechen, kann schon mal ein Minderwertigkeitsgefühl aufkommen. Und wenn es nicht von uns selber kommt, dann pflanzt es uns ganz bald sicher ein anderer ein. „Wie, du bist noch nicht verheiratet?“ oder „Wie, du bist nur Yogalehrer?“ oder „Dj ist doch kein vernünftiger Beruf.“ oder „Bloggen und Gedichte schreiben, damit kann man doch kein Geld verdienen!“ oder „Lehrer, ah, schön sicher und viel Urlaub, wa?“ Und so weiter und so weiter….

Doch was hat das mit Nicht-Verletzen, Nicht-Stehlen, Nicht-Horten oder Selbst-Reflektion zu tun?

ALLES. Denn mit all dem, was wir sein SOLLTEN, und was wir haben SOLLTEN und eben nicht sind oder haben, wächst einer der selbst sabotierendsten Glaubenssätze in uns heran:

„Ich bin nicht genug.“

Wenn wir tief im inneren diesen Glaubenssatz als Wahrheit anerkennen, kann das Gefühl entstehen, dass wir uns mehr anstrengen müssen oder mehr kaufen müssen, eben im Außen die Lücke versuchen zu füllen, die wir im Innen als nicht genug empfinden. Wir müssen es irgendwie schaffen, uns über dieses Gefühl des „etwas fehlt zum Glücklichsein“ hinweg zu setzen. Da nehmen wir auch schon mal in kauf andere Menschen schlecht zu machen, zu nehmen, was nicht uns gehört, zu lügen… Alles nur, damit wir von AUSSEN besser da stehen, uns über andere Erheben können und kurzzeitig das Gefühl los zu haben, besser zu sein, und damit auch erst einmal genug.

Wir haben solche Angst als WIR SELBER nicht akzeptiert zu werden, dass wir etwas künstliches kreieren. Dieses Kunst-Ich trennt uns vom Selbst-Sein. Wir verlieren uns in dem Konstrukt, dass wir errichtet haben, um Anderen zu gefallen und „rein zu passen“.

Je mehr wir uns selbst verlieren, desto mehr verlieren wir auch die Verbindung mit anderen Menschen, zu Tieren und der Natur.

Dann kommt es uns gar nicht mehr so schlimm vor, wenn wir mal lügen. Oder wenn wir etwas stehlen, wenn wir jemandem den Tod an den Hals wünschen oder Tiere essen. Wir haben dann einfach schneller ein paar Rechtfertigungen parat. Nicht für andere, das ist ja das verrückte, sondern für uns selbst! „Ach, was ich denke hört ja keiner, ach die kleine Lüge schadet ja niemandem, ach der Laden ist ja versichert gegen Diebstahl.“ Unser Gewissen ist nämlich nicht so leicht bestechlich. Wenn wir etwas Unethisches tun, dann läuten bei den meisten Menschen die Alarmglocken. Bei manchen lauter, bei manchen leiser. Doch sie sind da. Wir können sie verleugnen und abdämmen, doch insgeheim wissen wir, wenn wir unrecht tun. Denn die göttliche Essenz lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Und die weiß, was richtiges und was falsches Verhalten ist.

Es mangelt uns an Selbst-Liebe, an Empathie und an Selbstbewusstsein. Unser Gehirn denkt, dass wir mehr sein müssen, als wir sind, um akzeptiert zu werden. Und diese mangelnde Selbst-Liebe, mangelnde Empathie und mangelndes Selbstbewusstsein, führen uns in Versuchung unrecht zu tun. Gesteuert von Ego und äußeren Zwängen versuchen wir das zu bekommen oder zu sein, was vermeintlich Anerkennung verdient. Und dann vergessen wir jegliche moralischen Grundregeln.

Dabei sehnen wir uns doch alle danach, wir selber sein zu dürfen. Unserem Herzen zu folgen. Genug zu sein.

Ich bin genug. Ich akzeptiere und liebe mich in meinem Sein. Zwei Glaubenssätze, die wir Menschen neu entdecken müssen, um Frieden mit uns zu schließen, und dem Sein als solches eine Chance zu geben.

Die Yama und Niyama sind eines der wertvollen Werkzeuge, die uns Yoga zur Verfügung stellt, um uns selber wieder näher zu kommen. Um aufzudecken, wo wir falsch abgebogen sind, um unsere Angewohnheiten und Eigenschaften, die uns in unserer Authentizität beschränken zu erforschen.

Solange wir uns nicht erlauben, wir selbst zu sein, so lange wir versuchen anderen als uns selbst zu genügen, werden wir in die Falle der Ignoranz tappen, und moralische Grundsätze missachten. Wir bleiben verwirrt. Und Yoga wird uns weiter in die Verwirrung stürzen.

Wenn wir anfangen uns selbst zu erkennen und so zu akzeptieren, wie wir sind, werden wir Freude darin finden, die Yama und Niyama zu üben. Es wird leichter und leichter sie als eigene Grundsätze zu verinnerlichen und sie zu leben. Wenn wir die Arbeit aufnehmen uns zu besseren Menschen zu entwickeln, werden wir in uns ankommen. Wir werden genug sein. Dann müssen wir nicht mehr verletzen, stehlen oder lügen. Dann kann Yoga uns in unserem neu gefunden Selbst-Sein bestärken. Ohne Verwirrung, ohne Trennung.

Dann sind wir auf dem richtigen Weg. Dann kann die Sonne mit all ihrer Kraft scheinen.

Hat dich der Text inspiriert? Dann teile ihn!

Fühlst du dich auch manchmal nicht genug? Was ist deine Meinung zu Moral? Lass uns unsere Erfahrungen in den Kommentaren austauschen. Ich freue mich von Dir zu lesen!

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ditte-post-signatureNamasté

ich bin Ditte, Freidenkerin, Querdenkerin, Neudenkerin.
Spirituell Reisende, Heilerin, Yogalehrerin, Life-Coach und Poetin. Ich gehe meinen Weg undogmatisch und frei, meinem Herzen und meiner Bestimmung folgend, meiner großen Vision entgegen.
Komm’ mit und lasse dich inspirieren. Ich zeige dir, wie du deinen Platz in dieser Welt finden kannst, und ein selbstbestimmtes, glückliches Leben aus der Mitte deines Herzens lebst.

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